Quellen

Aus Meister des Karate und Kobudo
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Hier eine Auflistung der für dieses Projekt verwendeten Bücher

Quellen


Anmerkung

Mit Quellen ist das so eine Sache. Fakt ist, dass die meisten Karateka glauben, eine Information sei mehr wert, wenn eine Quellenangabe vorhanden ist. Das ist dann immer richtig, wenn die Quelle stimmt. Und da fangen die Probleme an. Wie allgemein bekannt, gibt es dummerweise recht wenige schriftliche Quellen zum Karate und Kobudo/jutsu. Dies liegt daran, dass auf Okinawa nicht üblich war, das gesamte Wissen eines Meisters schriftlich auf einem Makimono festzuhalten und an die engsten Schüler weiterzugeben (wie im Japan der Samurai). Zweitens wurde Okinawa zum Ende des zweiten Weltkrieges durch amerikanische Bomben praktisch umgepflügt, was dazu führte, dass es weitere Verluste gab.

Die Geschichte des okinawanischen Karate/Kobudo und deren Meister wurde überwiegend mündlich übertragen. Und wie das bei mündlichen Übertragungen so ist, werden Heldengeschichten über mehrere Generationen "aufgehübscht" und der Held wird größer, schöner und erfolgreicher. Auch auf Okinawa war und ist das so (ja, auch heute noch). Insofern ist sicher an vielen Geschichten, die heute bekannt sind, etwas dran, aber die Wahrheit ist wohl etwas weniger dramatisch.

Von dieser Ungenauigkeit, was den Wahrheitsgehalt der Quellen angeht, nicht ausgenommen sind sogar (welch Sakrileg solch eine Aussage zu wagen!) viele okinawanische Meister. Die haben ja ebenfalls nur die Geschichten ihrer Lehrer gehört, was leider nicht zu mehr Wahrheitsgehalt führte. Viele okinawanische Meister mit 9. und 10. Dan erzählen noch heute die Mär von der brutalen Unterdrückung der okinawanischen Bevölkerung durch Samurai nach der Besetzung im 17. Jahrhundert. Das soll auch der Grund für die Entwicklung der okinawanischen Kampfkünste sein! Die moderne Geschichtsforschung (mit verlässlichen Quellen) hat gezeigt, dass das nur eine tolle Heldengeschichte ist, aber eben doch schlichtweg falsch. Insofern nützt es recht wenig, wenn als Quelle der Stilvorstand irgendeines weltbekannten Karate-Stils angegeben wird. Die Geschichte entspricht trotzdem nicht den historischen Fakten, auch wenn sie von einem Okinawaner in einem japanischen Buch wiedergegeben wird.

Insofern spare ich mir die Mühe, ständig und immer Quellenangaben zu machen. Die Bücher, aus denen die Informationen stammen, sind hier aufgelistet, ggfs. kommen noch Hinweise auf Internetseiten dazu.

Jeder, der sich mit den Biografien der Meister auseinandersetzt, sollte sich bewußt sein, dass die Informationen zum großen Teil mündliche Übertragungen sind, die vielleicht stimmen, vielleicht aber auch nicht. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Informationen unsicherer sind, je älter sie sind.

Es lassen sich leider kaum alle Biografien exakt rekonstruieren. Aber das ist, finde ich zumindest, nicht schlimm. Es soll nicht Sinn dieses Projektes sein, wissenschaftlich verifizierbare Datensammlungen zu liefern, sondern auch die Geschichten darzustellen, die uns heutige Karateka als Ansporn dienen sollen. Wer das nicht akzeptiert, der sollte sich an anderer Stelle umschauen.


Thomas Heinze

Schwerte, im Februar 2013